Die besten Wege aus der Isolation

Allein ist gut, einsam nicht!

Auch mal allein sein und in Ruhe gelassen zu werden, kann befreiend sein. Ein Problem wird das Alleinsein jedoch, wenn es zum Dauerzustand wird. Der US-amerikanische Einsamkeitsforscher John Cacioppo zeigt Wege aus der Isolation.

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Alleinsein und Einsamkeit sind nicht das Gleiche, das zu unterscheiden sei wichtig, betont John Cacioppo. Der Texaner gilt als der versierteste Einsamkeitsforscher der Welt. Denn beides habe zunächst einmal nichts miteinander zu tun. Einsamkeit, so der Psychologe von der University of Chicago weiter, sei nicht an die An- und Abwesenheit von Menschen gebunden. Sie habe auch nichts mit der Anzahl von Personen zu tun, die man kennt. „Wer einsam ist, dem fehlen nicht einfach Menschen, sondern das Gefühl, von ihnen beachtet, anerkannt und gebraucht zu werden. Einsamkeit charakterisiert eine tiefe Unzufriedenheit mit den bestehenden Beziehungen.“

Niemand ist völlig vor Einsamkeit gefeit, sie schleicht sich von Zeit zu Zeit in jedes Leben: beim ersten Tag an der neuen Schule, auf der Party, wo man niemanden kennt, beim Blick ins Zimmer des eigenen Kindes, das ausgezogen ist, oder ganz besonders nach dem Tod des Lebenspartners. Selbst Stars und Berühmtheiten, die den größten Teil ihres Lebens im Rampenlicht standen, wie Prinzessin Diana, Romy Schneider, Marilyn Monroe oder Amy Winehouse waren zutiefst einsam.

Einsamkeit wirkt im Gehirn wie körperlicher Schmerz

Wichtig ist es dabei zuerst, sich nicht selbst die Schuld zu geben. „Menschen die in der Einsamkeit feststecken, haben nichts falsch gemacht“, schreibt Cacioppo in seinem Buch „Einsamkeit – Woher sie kommt, was sie bewirkt, wie man ihr entrinnt“. „Niemand von uns ist immun gegen das Gefühl, isoliert zu sein, genauso wenig wie wir immun sind gegen Hunger oder Schmerz.“ Tatsächlich konnten er und seine Kollegen in Untersuchungen zeigen, dass das Gegenteil von Einsamkeit, Kooperation mit anderen, das Belohnungssystem des Gehirns aktiviert.

Wird ein Mensch hingegen sozial ausgeschlossen oder zurückgewiesen, dann wird bei ihm genau das Zentrum aktiviert, welches auch bei körperlichem Schmerz anspringt. Und das sei auch sinnvoll, so Cacioppo: „In der Geschichte der Menschheit war die Zugehörigkeit zu anderen überlebenswichtig.“ Nicht ohne Grund ist die schlimmste Strafe, die Kulturen auf der ganzen Welt über abtrünnige Mitglieder verhängen, die Isolation von der Gruppe, sei es als Ausstoß aus dem Clan bei Urvölkern oder als Einzelhaft in modernen Zivilisationen. Das Gefühl, einsam zu sein, ist demnach ein wichtiges Warnsignal: Suche Anschluss! Kümmere dich um Kontakte! Werde aktiv!

Die Wissenschaft unterscheidet zwei Arten der Einsamkeit

Der Wunsch, dazuzugehören, Menschen um sich zu haben, denen man trauen kann und die sich um einen sorgen, ist ein Ausdruck des fundamentalen Bedürfnisses nach sozialem Anschluss und emotionaler Bindung. In der Psychologie unterscheidet man seit den 1970er-Jahren zwei Arten von Einsamkeit: soziale und emotionale Einsamkeit. Nach der Einteilung des Soziologen Robert Weiss von der University of Massachusetts erfasst soziale Einsamkeit einen Mangel an sozialer Integration – und emotionale Einsamkeit den Mangel an festen Vertrauenspersonen.

Typischerweise tritt Einsamkeit häufig dann auf, wenn sich das eigene Leben verändert: bei Umzügen, nach einer Kündigung, bei einer Ehescheidung oder dem Tod des Partners. Wichtige Routinen, die dem Leben bislang seinen Rahmen gaben, fehlen plötzlich: der Flurfunk mit Kollegen, das warme Hallo beim Nachhausekommen, die vertrauten Freunde und Nachbarn.

Entscheidend dafür, ob Alleinsein dann als Einsamkeit empfunden wird, ist vor allem eines: Ob Sie die Situation freiwillig gesucht haben oder ob sie Ihnen von außen auferlegt wurde. Ein Alleinsein, für das ich mich selbst aus freien Stücken entschieden habe, wird oft sogar als befreiend und wohltuend erlebt. Ist die Isolation hingegen bedrückend und schnürt einem die Luft ab, so sollte man dieses Warnsignal ernst nehmen und aktiv daran arbeiten, Kontakte zu knüpfen, die einem fehlen, oder solche zu intensivieren, die verflacht sind.

Immerhin zwei Prozent aller Deutschen erleben Einsamkeit als Dauerzustand, das ergab eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie. Dabei spielt das Alter eine wichtige Rolle: Jugendliche und Menschen ab 80 Jahren fühlen sich besonders oft einsam.

Frauen sind anders einsam als Männer

Andere Studien zeigen, was vor Einsamkeit am verlässlichsten schützt: die Ehe, ein fester Job und die Mitgliedschaft in Vereinen oder Klubs. Und wieder andere decken auf, dass es offenbar einige Menschen gibt, die aufgrund ihrer Persönlichkeit besonders anfällig für Gefühle von Einsamkeit sind. Diese Menschen sind in der Regel eher pessimistisch, schüchtern, auf sich fokussiert, können sich schlechter auf andere konzentrieren und in sie einfühlen. Sie teilen sich weniger mit, besonders, wenn es um ihre tiefsten Gedanken und Gefühle geht. Vor allem bei Frauen ist dieses Verhalten ein typisches Warnsignal.

Bei Männern spielt es dagegen eher eine Rolle, ob sie Mitglied einer größeren Gruppe sind, etwa im Sportverein. Menschen mit solch einer Persönlichkeitsstruktur haben Probleme, Kontakte selbst aktiv zu knüpfen. Sie setzen meist zu viele Erwartungen in eine neue Beziehung und sind nicht in der Lage, sie selbst zu beenden, wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich gewünscht haben.

Einsamkeit verkürzt das Leben wie 15 Zigaretten am Tag

John Cacioppo fand in einer Studie 2009 noch einen weiteren Faktor: Einsame knüpfen eher Kontakt zu anderen chronisch Einsamen, sie scheinen sich gleichsam anzuziehen. „Wenn man nicht auf das Warnsignal reagiert, fällt man der chronischen Einsamkeit in die Hände“, sagt der Buchautor. „Und diese hat sehr schädliche Einflüsse auf die Psyche, aber auch auf den Körper.“

Eine Metastudie, die 148 Untersuchungen mit insgesamt mehr als 300.00 Probanden zusammenfasste, ergab 2010 Folgendes: Wer sich einsam fühlt und keine stabilen Beziehungen zu anderen Menschen aufbaut, stirbt im Durchschnitt früher als andere. Einsamkeit, so das Ergebnis, ist demnach ebenso schädlich für die Gesundheit wie 15 Zigaretten am Tag zu rauchen, und schädlicher als Übergewicht.

+ In 4 Schritten aus der Einsamkeitsfalle

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