Zusammenbleiben oder trennen?

Erste Rente, dann Scheidung – warum heute so viele Ehen spät scheitern

Scheidungen ab 50 nehmen zu. Das Statistische Bundesamt vermeldet, dass Ehen immer später geschieden werden, jede vierte Ehe endet nach 25 gemeinsamen Jahren vor dem Familiengericht.

Die Kinder sind aus dem Haus, der Abschied aus dem Berufsleben kurz bevor – jetzt könnte sie Zeit kommen, in der sich Paare wieder voll aufeinander konzentrieren und freuen können. Könnte! Denn ist dieser Neuanfang allzu häufig der Anfang vom Ende der Beziehung. Scheidungen ab 50 nehmen zu. Das Statistische Bundesamt vermeldet, dass Ehen immer später geschieden werden, jede vierte Ehe endet erst nach 25 gemeinsamen Jahren vor dem Familiengericht.

Auslöser sind häufig Rente und Pension. Noch trifft die traditionelle Rollenverteilung mit dem Mann als berufstätigen Ernährer auf einen Großteil der Ehen zu, umso mehr bringt die plötzliche Präsenz des Mannes viele eingespielte Mechanismen durcheinander. Da ist es nicht mehr weit, bis sich bislang harmonisch verbundene Paare in die Wolle kriegen.

Viele Paare sind überhaupt nicht vorbereitet auf das, was nach der Pensionierung des Mannes oder der Frau mit ihrer Beziehung geschieht. Sie merken plötzlich, dass sie gar nicht mehr so viel gemeinsam haben, wie sie Jahre lang angenommen hatten. Dass viele Routinen und Ablenkungen im Alltag das aber überdeckten.

Selbst wenn die Ehe gut funktioniert, kann das plötzliche enge Zusammenleben rund um die Uhr stressig sein. Unmittelbar nach der Pensionierung sieht es noch gut aus: Die meisten Eheleuten loben ihre neue Zweisamkeit und ihr intensiveres Sexleben. Viele finden sogar, ihre Beziehung mache Fortschritte. Aber die zweiten Flitterwochen enden ziemlich abrupt, wenn einer der beiden wieder etwas mehr Freiheit anstrebt. Und schnell zeigt sich: Männer und Frauen in einer Beziehung haben ziemlich unterschiedliche Vorstellungen wie das Zusammenleben aussehen soll. Die Ehefrau geht zum Beispiel davon aus, dass ihr Mann im Haushalt hilft, da er jetzt mehr Zeit hat. Der Mann geht seinerseits davon aus, dass seine Frau nun seine Hobbys mit ihm teilt. Das führt zu Missverständnissen, Enttäuschung und Frust.

Ein spezielles Problem ist das Beziehungsnetz außerhalb der Ehe. Gerade wer voll in seinem Beruf aufgegangen ist und auch seine Freundschaften vor allem mit Kollegen pflegte, fällt mit der Pensionierung in ein Loch. Plötzlich bleibt dem Mann nur der Freundeskreis der Frau, weil er selbst keinen Kumpel-Kreis außerhalb des Büros aufgebaut hat. Manche Männer reagieren darauf, dass sie an ihrer Frau klammern, mehr gemeinsame Zeit fordern – was sie als das Gegenteil von Freiheit empfinden wird.

Schließlich kommt je nach Veranlagung das Papa-ante-Portas-Syndrom dazu:Der Mann, Typ Manager, will die Haushaltsplanung übernehmen, die seinen Frau über Jahre perfekt allein gelöst hat. Ein Übergriff mit hohem Konfliktpotential.

Generell gilt: Mit der Zeit und mit viel Übung lernen die pensionierten Männer, mit ihrer neuen Situation umzugehen. Sie beanspruchen ihre Frauen weniger, suchen sich ein eigenes Interessengebiet und lernen die Unabhängigkeit ihrer Frauen zu respektieren. Um diesen Prozess zu beschleunigen und ein echte Krise gar nicht erst aufkommen zu lassen, beherzigen Sie am besten unsere sieben Tipps unten.

Sieben Tipps, wie Sie den neuen Lebensabschnitt gemeinsam genießen, statt sich zu trennen:

  • Sprechen Sie über ihre Erwartungen. Sprachlosigkeit ist die größte Falle. Denn mit der neuen Lebensphase gehen viele Routinen verloren, neue müssen sich erst etablieren. Diskutieren Sie schon Monate vor der Pensionierung darüber, so dass jeder für sich überlegen kann, was er von sich selbst und dem Ehepartner erwartet. So hat jeder ausreichend Zeit, Pläne zu schmieden. Tipp: Führen Sie einen Kalender, in den sie gemeinsame und separate Aktivitäten eintragen. So gibt es keine Überraschungen.
  • Behalten Sie Ihre eigenen Interessen und bewahren Sie sich separate Freundschaften: Gerade in dieser Phase ist Zeit, die Sie mit anderen verbringen, sehr wertvoll. Jeder hat seinen eigenen Bereich, man ist weniger aufeinander fixiert. Und hinterher haben Sie sich gegenseitig etwas zu erzählen.
  • Richten Sie zu Hause separate Zonen ein: Jeder soll seinen eigenen Bereich, seinen Hobbykeller, sein Bastelzimmer haben. Es ist gut, sich an manchen Tagen stundenlang nicht über den Weg zu laufen, so wie das die letzten Jahrzehnte ja immer war. So gehen sich Paare viel weniger auf die Nerven.
  • Pflegen Sie gemeinsame Hobbys Am besten, Sie fangen zusammen etwas Neues an. Das bringt frischen Wind in die Beziehung – und keiner hat einen Startvorteil, weil er sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. Ideal sind Hobbys, die Sie mit anderen Menschen zusammenbringt: Sport, Wandern, Tanzen …
  • Machen Sie nicht aus jeder Mücke einen Elefanten Wenn Mann und Frau sich den ganzen Tag sehen, werden kleine Macken, über die man früher einfach hinweggesehen hat, plötzlich ausgewachsene Probleme. Er wirft immer die feuchten Handtücher auf den Boden. Sie lässt immer ihre Haare im Waschbecken. Fahren Sie nicht aus der Haut, sondern lehnen Sie sich zurück und überlegen ohne Zorn, wie schlimm das nun wirklich ist. Lassen sie Kleinigkeiten auf sich beruhen, sprechen sie ernsthafte Nervtöter in einem ruhigen Moment an.
  • Teilen Sie Aufgaben im Haus klar auf Sie denkt: Jetzt ist er den ganzen Tag zu Hause, da könnte er doch auch mal den Trockner ausräumen oder das Wohnzimmer saugen. Er denkt: Das hat sie bislang alleine gemanagt, da mische ich mich gar nicht ein. Die Lösung kann nur eine klare Vereinbarung sein: Was erwarten sie vom anderen, worum soll er oder sie sich kümmern? Das ist ein Thema, das können Sie gut schon vor der Pensionierung ansprechen.
  • Denken Sie daran: Sie sind nicht alleine. Die meisten Eheleute, auch glückliche, sind mit genau den gleichen Problemen konfrontiert. Wenn man das im Hinterkopf behält, kann man auch normal damit umgehen. Zwischen ein bisschen Ärger und dem Entschluss, die Ehe aufzulösen, liegen eben immer noch Welten.