Die neuen Sex-Seminare

Lust kann man lernen

Fetisch-Workshop und Tantra-Kurse: Müssen wir jetzt auch unser Sexleben coachen und optimieren lassen? Oder bringen solche Seminare eher spielerisch frischen Wind ins Schlafzimmer?

Knarrend fällt die Tür ins Schloss. Die nietenbesetzten Ledergurte an der rot lackierten Wand warten darauf, einen Menschen zu fixieren. Schwere Eisenhandschellen baumeln von der Decke. Willkommen im Reich einer Domina unweit des Berliner Flughafens Tegel! Hier kann sich jeder und jede einführen lassen in das erotische Spiel aus Dominanz und Devotion.

SM: hart im Nehmen und Geben

 Seminare für harten SM-Sex sind sicherlich ein Extrem unter den erotischen Kursangeboten. Doch letztlich geht es bei allen darum, Grenzen zu überschreiten, bisherige Tabus zu brechen, Neues kennenzulernen. Wie hart oder sanft guter Sex ist, kann jeder nur für sich selbst entscheiden – als Paar im Normalfall einvernehmlich. Dennoch haben erotische Fortbildungen regen Zulauf. Brauchen wir wirklich Nachhilfe im Bett. Oder ist das einfach nur gesunde Neugierde?

Tantra: die Lust der Berührung

Die repräsentative Umfrage einer großen Partnerbörse ergab, dass mit zunehmendem Alter Sex bei Singles wie Paaren immer seltener wird. Schon mehr als die Hälfte aller Befragten über 50 Jahre gab an, gar keinen Sex mehr zu haben. Hier können Seminare ein Schlüssel zu neuer Lust sein. Zum Beispiel die Tantra-Massage. Im Grund ist Tantra eine alte indischen Lebensphilosophie, im Westen wird der Begriff allerdings immer auf den sexuellen Aspekt einer besonders intensiven Orgasmusfähigkeit verkürzt. Darum geht es auch meist in den Kursen, häufig Paarseminare. Da lernen die Teilnehmer Massage- und Berührungstechniken, um den Partner in einen Zustand zwischen wohliger Entspannung und feuriger Erregung zu bringen.

Bondage: eine fesselnde Kunst

Spätestens seit „50 Shades of Grey“ ist auch Bondage, also Fesselspiele, salonfähig geworden. Auch wenn Kenner der Szene über das Buch eher lächeln, so hat es doch die Nachfrage nach Kursen geweckt. Dort lernen die Teilnehmer, wie richtig und fest gefesselt wird, dass es immer ein Codewort für den Abbruch geben muss und man den Partner oder die Partnerin nie allein gefesselt im Raum lässt. Ähnlich wie bei SM geht es auch bei Bondage um das Spiel mit Macht und Unterwerfung. Gerade um Verletzungen vorzubeugen, sollten Anfänger einen Kurs besuchen.

Handarbeit: Neues aus der Intimzone

An wissensdurstige Frauen widmen sich „Handarbeitsabende“, bei denen ihnen ein Berührungscoach Tricks in der sinnlichen Massage der männlichen Intimzone beibringt. Es wird viel erklärt, aber auch an Sektflaschen handgreiflich geübt. Männer haben keinen Zutritt – allerdings gibt es inzwischen auch spezielle Kursangebote für sie, um mehr über die sinnliche Berührung der Frau zu lernen.

Lapdance: Verführung durch Tanz

Den Partner sinnlich verführen, aber auch den eigenen Körper intensiver spüren und dabei zeigen, was einem gefällt, darum geht es auch beim Lapdance-Kurs. Dieser Import aus dem Rotlichtmilieu verteilt die Rollen klar: Der Mann ist passiv, die Frau aktiv. Die Musik hilft den Teilnehmerinnen dabei, die Scheu zu verlieren und die Angst, vielleicht unbeholfen auszusehen. Schließlich kostet es auch Überwindung, den Fuß lustvoll in seinen Schritt zu legen oder sich katzengleich auf seinem Schoß zu räkeln.

Manches aus solchen Kursen bereichert später das eigene Sexleben, anderes wird unter der Rubrik bizarre Erfahrung abgespeichert – ein Anlass, gemeinsam mit dem Partner wieder mal über das Thema Sex und die eigenen Bedürfnisse zu sprechen, ist es in jedem Fall.