Neue Studie macht nachdenklich

Mit 50+ Vater werden – das sind die Risiken für Ihr Kind

Mit 50+ Vater werden

Kinder alter Väter werden leiden selbst früher unter Alterungserscheinungen – dies ergab ein Experiment bei Mäusen. Trifft das Ergebnis auch auf Menschen zu?

Das Kind wird eingeschult, der Papa geht in Rente – der Zeitpunkt, Eltern zu werden, hat sich in unseren westlichen Gesellschaften immer weiter nach hinten verschoben. Frauen, die zunächst studieren und Karrieremachen, ehe sie mit Ende 30 über eine Familie nachdenken, sind inzwischen fast der Normalfall. Das ist nicht unproblematisch: Ein hohes Alter der Mutter gilt schon lange als Risikofaktor für die Gesundheit der Kinder. Jetzt haben Forscher zudem festgestellt: Ein fortgeschrittenes Alter des Vaters bei der Zeugung kann sich ebenfalls ungünstig auswirken.

„Statistisch gesehen treten manche Erkrankungen bei Kindern älterer Väter häufiger auf als unter den Nachkommen junger Männer. Das gilt zum Beispiel für psychiatrische Störungen wie Autismus oder Schizophrenie“, erläutert Privatdozent Dr. Dan Ehninger, Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn.

Sein Team war an einer Studie federführend beteiligt, die es mit der German Mouse Clinic, München, und weiteren Partnern an Mäusen durchführte. Die Ergebnisse zusammengefasst: Nachkommen betagter Mäuse-Väter leben kürzer und zeigen stärker ausgeprägte Alterungserscheinungen als jene junger Väter.

Darüber hinaus wiesen die Spermien alter Mäuse-Männchen sowie das Gewebe von Nachkommen alter Nager sogenannte epigenetische Veränderungen auf. Molekulare Signalwege, die mit der Steuerung der Lebensspanne in Verbindung gebracht werden, waren darüberhinaus verändert. Diese Befunde deuten darauf hin, dass Alterungsprozessen über Generationen hinweg wirken. Dies könnte möglicherweise auch auf den Menschen zutreffen.

Ehninger: „Für diesen Zusammenhang kann es theoretisch viele Ursachen geben. Wir haben einen bestimmten Aspekt untersucht. Uns ging es um die Frage, ob altersabhängige Veränderungen in der männlichen Keimbahn die Gesundheit der Nachkommen beeinflussen können. Gibt es vielleicht einen generationsübergreifenden Effekt? Insbesondere haben wir uns hierbei für die Lebensspanne sowie für altersabhängige Veränderungen in den Nachkommen interessiert.“

Kinder alte Mäuse-Väter altern schneller

Die Wissenschaftler untersuchten dazu zwei Gruppen von Mäusen. Diese umfassten jeweils Nachkommen junger beziehungsweise alter Männchen. Sämtliche Mäuse-Väter gehörten einem bestimmten Mausstamm mit den gleichen Erbanlagen an. Das galt auch für die Muttertiere. „Wir haben uns bei den Nachkommen 13 biologische Parameter angeschaut, die sich bei Mäusen bekanntermaßen mit dem Alter verändern“, so der Studienleiter. Dabei ging es unter anderem um Ablagerungen in den Nieren, Gewebeveränderungen in der Lunge und Veränderungen an Proteinen, die auf oxidativen Stress hinweisen.

Fazit der Analysen: Bei den Nachkommen alter Männchen waren die altersassoziierten Merkmale stärker ausgeprägt als beim gleichaltrigen Nachwuchs junger Männchen. „In Bezug auf unsere Messparameter kann man durchaus sagen, dass die Nachkommen der betagten Mäuse-Väter schneller alterten“, so Dr. Kan Xie, Wissenschaftler im Team der DZNE.

Die Nachkommen junger Männchen lebten im Durchschnitt auch länger als ihre Artgenossen mit alten Vätern. Fehler im Erbgut? Davon gehen die Wissenschaftler nicht aus. Sie entdeckten vielmehr Auffälligkeiten in den Spermien der Mäuse-Väter – und zwar an den „epigenetischen Markierungen“ der in den Spermien enthaltenen Erbsubstanz. Diese chemischen Anhängsel tragen dazu bei, Regionen des Erbguts an- beziehungsweise abzuschalten und dadurch die Genaktivität zu regulieren. „Hier haben wir deutliche Unterschiede zwischen jungen und alten Mäuse-Vätern festgestellt. Diese Differenzen waren offensichtlich altersbedingt. Was nicht überraschend ist, denn es ist schon länger bekannt, dass sich die Methylierung mit Alter und Lebensumständen verändern kann“, erläutert Ehninger. Allerdings fanden die Wissenschaftler bei den Nachkommen ähnliche Unterschiede in der Methylierung der DNA. „Demnach könnten diese Merkmale von den Vätern an die nächste Generation weitergegeben worden sein.“ Davon war man bislang in der Wissenschaft nicht ausgegangen.

Was bedeutet der Mäuse-Versuch für den Menschen?

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für den Menschen? Lassen sich aus dem Mäuse-Experiment Rückschlüsse ziehen? „Was wir beobachtet haben, sind grundlegende Mechanismen. Diese könnten auch beim Menschen relevant sein. Doch ob das zutrifft und in welchem Umfang, wissen wir derzeit nicht. Darüber gibt unsere Studie keine Auskunft. Insofern lassen sich unsere Ergebnisse nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen“, sagt Ehninger. „Unsere Ergebnisse sind aber sicher ein Anlass, sich das eingehender anzuschauen.“