Bericht der OECD warnt vor Entwicklung

Sorgenfreie Rente? Dann müssen Sie jetzt handeln

Entspannt die Früchte eines ertragreichen Arbeitslebens ernten – künftige Generationen werden sich in der Rente nicht mehr so entspannt zurücklehnen können wie die Arbeitnehmer, die derzeit ihren Ruhestand antreten.

Entspannt die Früchte eines ertragreichen Arbeitslebens ernten – künftige Generationen werden sich in der Rente nicht mehr so entspannt zurücklehnen können wie die Arbeitnehmer, die derzeit ihren Ruhestand antreten. Die Erfahrung des Älterwerdens dürfte für viele Menschen der Jahrgänge nach 1960 in den Industrieländern eine deutlich weniger positiv sein als für heutige Rentner. Davon geht ein Bericht der internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD aus.

Die soziale Ungleichheit im Alter, so ein Ergebnis in dem Bericht, dürfte bei jüngeren Generationen zunehmen. Immer mehr Menschen seien von Altersarmut bedroht. Als Gründe hierfür führt die OECD kleinere Familien, Rentenkürzungen sowie eine wachsende Einkommensungleichheit im Erwerbsalter an.

Weniger Geld für mehr Rentner

Hintergrund dieser Entwicklung ist der demografische Wandel. Die Zahl der Älteren steigt in fast allen OECD-Ländern deutlich an. Wie eine Statistik der OECD zeigt, ist der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung der EU-Mitgliedsstaaten in den Jahren 1970 bis 2013 um 6,9 Prozentpunkte auf 18,4% gestiegen.

Laut einer Studie der Bank Citigroup könnte sich dieser Anteil bis 2050 sogar auf 26% erhöhen. Dies bringt die Pensionssysteme in vielen Ländern noch weiter in Schieflage – bereits heute sind viele massiv unterfinanziert. Laut der Bank-Studie klafft in den staatlichen Rentensystemen von zwanzig OECD-Ländern eine Lücke von insgesamt 78 000 Mrd. Dollar. Gleichzeitig hinterlassen die ultraniedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten ihre Spuren in kapitalgedeckten Vorsorgesystemen, etwa privaten Lebens- und Rentenversicherungen.

Bildung bringt Sicherheit

Laut OECD wird die Renten-Lücke vor allem eine Frage der Bildung und Ausbildung sein. Während höher Qualifizierte beim Renteneintritt oft auf höhere Einkommen und stabilere Erwerbsbiografien zurückblicken könnten, sei die Erwerbsphase bei vielen Menschen in Industrieländern zeitweise von Arbeitslosigkeit und geringen Einkommen geprägt.

Unbefristete Arbeitsstellen sind in vielen OECD-Ländern längst nicht mehr selbstverständlicher Standard. Unsichere Beschäftigungen ohne langfristige Sicherheit führen auch zu Unterschieden bei der Lebenserwartung. Über die OECD-Länder hinweg habe ein 25-jähriger Mann mit Hochschulabschluss eine um fast acht Jahre höhere Lebenserwartung als ein Gleichaltriger mit lediglich geringen Qualifikationen, schreibt die OECD. Bei Frauen betrage der Unterschied 4,6 Jahre.

Frauen stärker betroffen als Männer

Auch würden Geringverdiener tendenziell weniger alt als Menschen mit hohem Einkommen, heißt es weiter. Dazu kommt der massive Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die jährlichen Rentenzahlungen für über 65-Jährige, so die OECD, sind heute bei Frauen durchschnittlich um 27% niedriger als bei Männern. Damit ist auch das Risiko der Altersarmut bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Die OECD-Autoren kommen übrigens zu dem Schluss, dass eine Anhebung des Rentenalters in der Tendenz dazu führt, dass die Ungleichheit zwischen Gering- und Vielverdienern bei den Renten sogar noch größer wird. Eine sicherere Finanzierung der Systeme bei steigender Lebenserwartung wird aber nur zu haben sein, wenn die Menschen länger arbeiten. Denn als Alternativen dazu gäbe es nur Kürzungen der Altersbezüge oder höhere Rentenbeiträge während des Erwerbslebens.

Zum Thema Altersarmut hat auch die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht. Ergebnis auch hier: Die Altersarmutsrisiko in Deutschland steigt im Zeitraum 2015 bis 2036. Besonders stark betroffen sind alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Niedrigqualifizierte. Bei den Menschen, die 2036 in Rente gingen, steige das Risiko der Altersarmut auf 20%. Im Jahr 2015 lag es noch bei 16%. Laut der Stiftung wäre damit jeder fünfte Rentner von Altersarmut bedroht.